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BeitragVerfasst: Sonntag 26. Juni 2005, 13:52 
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Eine Fluggesellschaft mit strengen politischen Kriterien

Auch die DDR hatte ihre Lufthansa – vor 50 Jahren startete sie



Vor 50 Jahren wurde in der damaligen DDR die Vorläuferin der Fluggesellschaft Interflug gegründet – als Deutsche Lufthansa. Am 1. Juli 1955 erhielt das Unternehmen seine erste Betriebsleitung. 36 Jahre lang flogen die Piloten der Airline Passagiere und Fracht, fast ausnahmslos mit den sowjetischen Flugzeugtypen Tupolew (TU), Iljuschin (IL) und Antonow (AN).



Am Anfang gab es die Deutsche Lufthansa zweimal: im Westen und im Osten. Acht Jahre lang hielt die DDR an dem Namen fest. Das war ähnlich wie bei den Eisenacher Autos, die zunächst auch als BMW (später EMW) vom Band liefen. Denn das Eisenacher Werk war vor dem Zweiten Weltkrieg mal eine Betriebsstätte der Bayrischen Motoren-Werke.

Die Interflug, wie sich die DDR-Lufthansa später nannte, legte strengste politische Kriterien bei der Auswahl ihrer Flugzeugführer an. «Mit beiden Beinen fest auf sozialistischem Boden» sollten sie stehen. Das verlangte im Regelfall die SED-Mitgliedschaft. DDR-Piloten wurden in drei Zuverlässigkeits-Kategorien eingeteilt: Die der ersten durften ins «K.A.» fliegen, ins kapitalistische Ausland. Piloten mit «N.S.W» -Einstufung konnten eingeschränkt ins nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet fliegen, etwa in Entwicklungsländer. Die dritte Kategorie «S.W.» war eingeschränkt auf das sozialistische Wirtschaftsgebiet. Wer im Westen enge Verwandte hatte, durfte nie nach „K. A.“ fliegen.



Die Interflug selbst ist genau genommen zweimal entstanden. Am 10. September 1958 wurde das Unternehmen als Bedarfs-Fluggesellschaft gegründet, die dann am 1. September 1963 alle Rechte und Pflichten der Deutschen Lufthansa der DDR übernahm. Zur Interflug gehörten auch die in der DDR stark entwickelte Agrarfliegerei, alle Flughäfen und die Flugsicherung.



Propagandistisch wurde die Namensänderung der Bevölkerung so dargestellt: „Zur Rationalisierung des Luftverkehrs der DDR und um die Kapazitäten der zivilen Luftfahrt in einem einheitlichen Luftverkehrsunternehmen zusammenzufassen“, habe die Lufthansa der DDR ihren Betrieb eingestellt. Die Wahrheit war – wie so oft – natürlich ganz anders. Die Lufthansa-West hatte in langwierigen internationalen Prozessen ihre Rechtsauffassung, allein diesen Namen führen zu dürfen, durchgesetzt. Auch BMW hatte seinerzeit den Rechtsstreit gewonnen. Der DDR blieb nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren, wenn sie international operieren wollte.



Präsidenten-Sohn erster Direktor

Erster Hauptdirektor der DDR-Lufthansa wurde am 1. Juli 1955 Arthur Pieck. Das war der Sohn des ersten und einzigen Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck. Ende Juli 1955 landete eine IL-14 mit einer sowjetischen Besatzung in Berlin-Schönefeld. Die DDR hatte ihr erstes Verkehrsflugzeug. Diese Maschine brachte dann eine DDR-Regierungsdelegation mit Ministerpräsident Otto Grotewohl am 16. September 1955 nach Moskau – mit sowjetischen Piloten. Ab 1957 übernahmen deutsche Piloten, die zumeist in Uljanowsk an der Wolga ausgebildet worden waren, das Kommando in den DDR-Flugzeugen. Noch im Oktober 1990 gehörten der Interflug 19 TU-134, sieben IL-18 und neun vierstrahlige Langstreckenjets IL-62. Sie besaß damals aber auch schon drei Airbus A310-304.



Der Airbus-Coup

Mit diesen drei modernen A310 hatte es eine besondere Bewandtnis. Fast gleichzeitig hatten sich die Interflug und die polnische Fluggesellschaft LOT trotz heftigen Widerstandes der Sowjets dazu entschlossen, moderne westliche Flugzeuge zu erwerben. Denn die sowjetischen Jets waren unwirtschaftlich, emissionsstark und zu laut. Tatkräftige Schützenhilfe leistete der Interflug damals der langjährige Airbus-Aufsichtsratsvorsitzende Franz Josef Strauß.



Generalleutnant a. D. Klaus Henkes, der international hoch angesehene Interflug-Generaldirektor, wurde zur Abwicklung des Geschäfts in einem Privatjet von Berlin-Schönefeld nach Toulouse geflogen. Und Strauß jubelte: „Wir schreiben ein neues Kapitel Luftfahrtgeschichte.“ Erstmals hatte eine östliche Airline West-Flugzeuge bestellt. Rund 420 Millionen D-Mark musste die devisenarme DDR hinblättern, damit sie – mithilfe von zwei extra für die Interflug in die A310 installierten Zusatztanks – vor allem nach Havanna, Peking und Singapur nonstop fliegen konnte. Alle drei A310, die 1989 in Dienst gestellt wurden, landeten später bei der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums der Bundesrepublik.

Ihren letzten Flug absolvierte die Interflug am 30. April 1991 mit einer TU-134 von Berlin nach Wien.



http://www.lr-online.de/nachrichten/wir ... 611476211a


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